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Ein fliegender Besucher

August 25th, 2010 · Keine Kommentare

Ein Spatz im Bürgerbüro ist besser als eine Taube auf dem Bundestag. So oder so ähnlich heißt es. Heute musste ich allerdings erfahren, dass ein kleiner Spatz im Bürgerbüro ganz schön aufregend sein kann.

Zunächst habe ich meinen tierischen Besucher gar nicht mitbekommen. Ich war so in meine Arbeit vertieft, dass mir nicht auffiel, wie sich ein kleiner Vogel durch die stets geöffneten Türen (so gehört sich das schließlich!) in das Bürgerbüro verirrte. Erst nach einer kurzen Weile hörte ich merkwürdige Geräusche. Als ich dann doch mal anfing, der Sache auf den Grund gehen zu wollen, stellte sich schnell heraus, wer das verursachte: ein kleiner, niedlicher – übrigens weiblicher – Spatz. Der hielt allerdings nicht gerade viel von mir und konnte offenbar ganz gut darauf verzichten, von mir in irgendeiner Form gerettet zu werden. Zumindest zog er es vor, wild drauf loszufliegen und dabei vor allem die Fenster ins Visier zu nehmen. Als das nichts brachte, ließ er sich irgendwann auf eine unserer kleineren Topfpflanzen nieder. Großartig, dachte ich. Dann kannst du ihn ja mit der Pflanze zusammen raustragen. Das gefiel dem kleinen Spatz jetzt aber auch nicht so wirklich und flog wieder los gegen die nächstbeste Scheibe. Dabei schien er sich etwas weh getan zu haben und landete in einer unserer größeren Topfpflanzen und blieb da sitzen. Als er sich auch nicht regte als ich mich ihm näherte, witterte ich erneut eine Chance und zog die Pflanze Richtung Ausgang. Er blieb sitzen. Als ich dann beim Ausgang ankam, sah ich den Vogel mehr auf der Pflanze sitzen. Da die Pflanze mir die Sicht versperrte, ging ich davon aus, dass der Spatz den gefährlichen Weg in die Freiheit erfolgreich gemeistert hätte.

Doch weit gefehlt. Als ich von einem kurzen Besuch bei einer Vernissage direkt nebenan wieder kam sah ich schon von außen ein kleines grau-braunes Ding permanent gegen die Scheiben flattern. Das war der Moment, an dem mich die Situation begann zu überfordern. Als mich der Vogel sah, hörte er sofort mit der Flatterei auf und versteckte sich unter dem Sofa. Von dort aus beäugte er mich argwöhnisch und irgendwie auch traurig ( im Nachhinein betrachtet, könnte es auch hämisch gewesen sein). Vorschläge via Facebook, eine Krümelspur in Richtung Ausgang zu legen, scheiterten an der Ignoranz dieses kleinen Dinges. Ich wurde immer verzweifelter. Zwischendurch kam mal ein kleiner Junge rein, um mich darauf hinzuweisen, dass da ein kleiner Spatz von innen gegen die Scheiben flog. Ich bedankte mich höflich  für diesen freundlichen Hinweis auf eine offensichtliche Offensichtlichkeit und setzte mich an den Computer, um über die Situation nachzudenken. Würde der kleine Vogel unverletzt hier wieder rauskommen? Würde er überhaupt jemals  wieder hier rauskommen? Würde ich pünktlich Feierabend machen können?

Daraufhin fasste ich einen Entschluss. Ich sprang auf und wollte ein letztes Mal versuchen, den Vogel aus dem Büro rauszutreiben. Zunächst wollte das aber nicht funktionieren, weil der Spatz sich beharrlich weigerte, hinter dem Sofa hervorzukommen. Doch plötzlich, als hätte er meine Gedanken gelesen, begann er zu fliegen und setzte sich prompt auf das Regal direkt neben der Tür. Von hier aus war es nur noch ein kleiner Sprung in die Freiheit. Ich rechnete natürlich fest damit, dass der Vogel jetzt einfach in die entgegengesetzte Richtung losfliegen würde. Doch weitgefehlt. Mit einem fröhlichen Piepser flog er durch die geöffnete Tür – raus in die Freiheit. Er hatte es geschafft. Endlich.

Zurück blieb ein erleichterter Wahlkreismitarbeiter, der sich prompt als ornithologisch bewanderter herausstellte als er selbst von sich dachte. Er ist nämlich in der Lage einen männlichen von einem weiblichen Spatz zu unterscheiden, was viele offenbar nicht können. Männchen haben nämlich einen schwarzen Fleck auf ihrer Kehle und generell ein etwas dunkleres Gefieder als die Weibchen. Jetzt wisst ihr es auch und könnt auf der nächsten Party damit angeben. Und wenn ihr das nächste Mal einen Spatz seht – egal ob männlich oder weiblich: Seid so nett und schickt ihn ins Wahlkreisbüro von Hans-Christian Ströbele und nicht zu mir.

Tags: Allgemein · Arbeit (oder was sich so nennt)

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