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Über Gott, die Welt und Ponyhöfe

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Feindbild Mensch

April 11th, 2011 · Keine Kommentare

Ich hatte heute ein halbe Stunde Zeit, während ich auf eine U-Bahn wartete, die eigentlich innerhalb von zehn Minuten kommen sollte. Da kommt man schon mal ins Grübeln, wenn man beobachtet, wie sich der Bahnsteig mehr und mehr mit Menschen füllt. Keine Sorge, das wird keine weitere Abrechnung mit dem Öffentlichen Personennahverkehr, auch wenn es die BVG heute einmal mehr sehr verdient hätte. Das würde langsam langweilig. Nein, heute folgt eine viel generalisiertere Abrechnung. Eine Abrechnung mit der Krönung der Schöpfung Gottes oder Darwins (je nachdem, mit wem man gerade redet). Ja, das wird eine Abrechnung mit dir, Mensch.

Weißt du, eigentlich bist du ja schon ’ne tolle Sache, Mensch. Für sich allein genommen, kannst du beeindruckende Dinge machen. Du malst grandiose Bilder, du komponierst wunderschöne Musik, du bist in der Lage die kompliziertesten Naturbegebenheiten mit Dingen, die du Zahlen nennst, zu erklären und hin und wieder hilfst du mal einer alten Oma über die Straße. Du bist also nicht nur eine tolle Sache, du machst auch tolle Sachen.

Leider hast du ein großes Problem, Mensch. Irgendwann hast du mal beschlossen, dass du ein Herdentier sein möchtest. Du kannst alleine noch so klug sein, in der Masse verblödest du leider. Sobald du dich in einer Masse bewegst, setzt bei dir alle Intelligenz und alle Empathie – also eigentlich alles, was dich ausmacht – komplett aus. Du kennst nur noch einen einzigen Trieb: den Selbsterhaltungstrieb. Alles andere ist dir egal. Die Menschen um dich herum scheren dich einen Dreck.

Ich bekomme das tagtäglich zu spüren, nämlich im ÖPNV (da ist er ja doch wieder). Du bleibst permanent in der Tür stehen anstatt durchzugehen – DU bist ja drin. Du bleibst direkt vor Treppen stehen – DU musst dich ja orientieren. Du bewegst dich auf Umsteigebahnhöfen, als wärest du gerade auf einem Sonntagsspaziergang – DU hast ja Zeit. Du musst dein Fahrrad in eine überfüllte U-Bahn zwängen – DU hast ja dafür bezahlt. Das gleiche Spiel kann man in Einkaufszentren oder direkt auf der Straße erleben. Das Ergebnis bleibt gleich: In Menschenmassen wirst du, Mensch, so ziemlich das Dümmste, was es gibt auf der Welt.

Hast du dich schon mal gefragt, warum bei Volksabstimmungen so selten das rauskommt, was du gerne hättest, Mensch? Oder warum immer die Falschen gewählt werden? Oder warum in die Charts immer so grässliche Musik kommt? Oder warum Sarrazin ein derart erfolgreicher Buchautor werden konnte? Ich habe mich das vorhin gefragt als ich auf diesem zugigen Bahnhof stand und die Antwort darauf in der überfüllten U-Bahn gefunden. Du bist nicht blöd Mensch, die Menschenmasse ist es. So sieht’s leider aus. Es gab mal einen Menschen, der das ganze „Mainstream“ nannte. Toller Begriff. Niemand möchte so wirklich zum Mainstream gehören, auch du nicht. Denk mal darüber nach, warum das so ist. Tief im Inneren weißt du halt, dass die Masse ein bisschen doof ist. Und genau deshalb habe ich dich gelegentlich zum Feind, Mensch. Nicht, wenn du alleine bist, sondern dann, wenn du mir in der Masse begegnest.

Aber, lieber Mensch, so für dich alleine mag ich dich ja schon. Deshalb will ich dich in deinem Elend nicht alleine lassen. Du wirst es in einer Großstadt wie Berlin nicht vermeiden können, einer Menschenmasse zu begegnen oder gar ein Teil von ihr zu sein. Versuche also wenigstens hin und wieder mal nicht Teil einer Masse zu sein. Mache es so wie ich: Suche dir eine Randgruppe. Ich habe schon vier Randgruppen für mich gefunden. Wenn ich mich ein bisschen anstrenge, finde ich sicher noch ein paar mehr. Wähle doch einfach mal die FDP oder so. Glaub mir, manchmal ist es echt befreiend, einer absoluten Minderheit anzugehören. Denn weißt du was, Mensch. Auch ich bin gelegentlich Teil einer Masse. Und dann bin ich genauso blöd wie du.

Tags: Allgemein

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